Hinzugefügt: 23 Juni 2023

Schnittstellen in Social Media

Schnittstellen in Social Media

Schnittstellen sind auch außerhalb der Tech-Branche gerade in aller Munde. Die Entwicklungen bei Social Media Anbietern wie Twitter und Reddit betreffen direkt und indirekt Privatpersonen, wodurch sich jetzt auch der persönliche Bereich der User:innen mit dem Thema Schnittstellen konfrontiert sieht. Was Schnittstellen mit Nutzererfahrung, Protest und Erpressungen durch Hacker zu tun haben.

 

 

Schnittstellen kostenpflichtig bei Twitter & Reddit

Der Kurznachrichtendienst Twitter verkauft ab sofort seine Schnittstellen: Was zuvor kostenfrei für Entwickler war, wird voraussichtlich ab Februar kommenden Jahres nur noch gegen Gebühr möglich sein. Und auch die Userplattform Reddit hatte erst im April angekündigt, ihre Schnittstellen ab Juli nur noch kostenpflichtig bereitzustellen. Dass beide Anbieter letztendlich keine Wohltätigkeitsprogramme, sondern gewinnorientierte Unternehmen sind, dürfte zwar nicht verwundern, aber die weitreichenden Konsequenzen für angebundene Firmen und für die Nutzer:innen selbst haben zu Reaktionen geführt, die auch außerhalb der Tech-Branche zu spüren sind.

 

 

Proteste und Hacker-Angriff

Beim Beispiel Reddit etwa wurden kurzerhand von den Moderator:innen einige der größten subs, also Unterseiten, gesperrt mit dem Hinweis auf einen "koordinierten Protest", weswegen Millionen Nutzer:innen nicht mehr auf die dortigen Inhalte zugreifen konnten. Kurz darauf wurde bekannt, dass eine Hackergruppe Reddit erpresst, gestohlene Daten zu veröffentlichen, sollte Reddit ihre Schnittstellen-Politik tatsächlich wie geplant durchsetzen. Twitters Pläne stießen ebenfalls auf Protest. Die Argumentation hinter all diesen Reaktionen: Die gewinnorientierten Änderungen schneiden genau dort ein, wodurch beide Dienste erst ihren Stellenwert in der digitalen Gesellschaft aufbauen konnten - die Freiheit ihrer Nutzer:innen. 

 

 

Bedeutung für angebundene Dienste

Ein paar Zahlen: Die Änderungen bei Twitter bedeuten, dass jede:r Kund:in (Unternehmen) 2 Cent pro Nutzer und genutzter Schnittstelle zahlen muss. Bei Twitters Topkunden Apollo bedeutet das einen finanziellen Mehraufwand von etwas 20 Millionen US-Dollar. Apollo schließt deshalb mit Beginn dieser Änderung die Anbindung - nur ein Beispiel von vielen, die die direkte Nutzung auch für Privatpersonen einschränken. Eine "Twitter-Wall", wie wir sie alle von Messen und Veranstaltungen kennen, wäre dann übrigens ebenfalls kaum noch möglich. 

 

Auch bei Reddit sind zahlreiche Unternehmen mithilfe von Schnittstellen angebunden. Dienste, die den Reddit-User:innen die Nutzung der Plattform auch in anderen Programmen ermöglichen, wie etwa barrierefreie Möglichkeiten für Menschen mit Sehbehinderung oder eine effiziente Suche nach regelkonformen Beiträgen durch die Moderator:innen, könnten ab sofort eingestellt werden, da die jeweiligen Unternehmen die Mehrkosten nicht aufbringen können oder wollen. 

 

 

Bedeutung für Nutzer:innen

Diese Änderungen betreffen also nicht nur indirekt, sondern auch sehr direkt private Nutzer:innen. Viele der bisher nutzbaren Angebote könnten entweder wegfallen oder aber Kosten für jede:n Einzelne:n bedeuten. Dass damit nicht nur die Nutzbarkeit an sich, sondern höchstwahrscheinlich auch die Größe der jeweiligen Communities deutlich schrumpfen wird, liegt auf der Hand. Ein eigentlich sehr technisches Thema wie die kostenfreie oder -pflichtige Bereitstellung von Schnittstellen betrifft also nicht nur IT-Abteilungen, Entwickler oder Kostenabteilungen von Unternehmen, sondern am Ende auch jede Person, die Inhalte auf diesen Social-Media Diensten nutzt - also die Communities, die diese Dienste groß gemacht haben.